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Therapien

Da die Ursachen der Alopecia areata ungeklärt sind, kann auch ihre Behandlung nur an den Symptomen ansetzen. Es gibt verschiedene Therapieformen, deren Einsatz von verschiedenen Faktoren, v.a. dem Ausmaß des Haarverlusts abhängt. Die Erfolgschancen lassen sich genauso wenig voraussagen wie der Krankheitsverlauf; häufig müssen mehrere Möglichkeiten durchprobiert werden, um einen Erfolg zu erzielen.

Im Folgenden werden die gängigsten Therapieformen bei der Alopecia areata kurz beschrieben (zu ausführlicheren Informationen sh. Literatur). Dabei können nur Behandlungsformen berücksichtigt werden, zu denen halbwegs gesicherte Erkenntnisse zu Wirkungsweise und Erfolg vorliegen. Deshalb erstreckt sich dieser Überblick im Wesentlichen auf die Schulmedizin. Ein “Wundermittel” gibt es im Übrigen auch jenseits ihrer Grenzen nicht.

 

Kortinsonbehandlung

Kortisonsalbe oder -lotion zur äußerlichen Anwendung ist häufig das erste, was HautärztInnen bei kreisrundem Haarausfall verschreiben. Das Wachstum neuer Herde kann damit auch häufig gut gestoppt werden, solange sie noch klein sind. Auf der Kopfhaut wird Kortison in der Regel auch besser vertragen als an anderen Körperstellen. Vorsichtiger sollten PatientInnen bei der innerlichen Anwendung von Kortison oder beim Unterspritzen der kahlen Stellen sein. Hier gilt es, die Beeinträchtigung durch den Haarausfall und die Nebenwirkungen des Medikaments gegeneinander abzuwägen. Das Unterspritzen ist außerdem mit starken Schmerzen verbunden, je nachdem, wo sich die entsprechende Stelle befindet, und kann zu Oberflächenverformungen der Kopfhaut führen.

 

Zinktherapie

Die Zinktherapie setzt beim Immunsystem an, mit dessen Störung die Entstehung der Alopecia areata offensichtlich zusammenhängt. Ohne dass die genauen Mechanismen bekannt wären, wird davon ausgegangen, dass Zink sich positiv auf die Wiederbehaarung kahler Stellen auswirkt. Selbst wenn in einer Vollblutuntersuchung kein Zinkmangel festgestellt werden kann, wird deshalb eine Einnahme von Zinkpräparaten empfohlen. Das ist umso verständlicher, als Zink in der Regel nur positive Nebenwirkungen hat, nämlich eine häufig beobachtete geringere Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten.

Problematisch kann unter Umständen lediglich sein, dass ÄrztInnen nicht bereit sind, Zink zu verschreiben, wenn kein Mangel festgestellt werden kann, so dass das Präparat selbst bezahlt werden muss.

 

Topische Immuntherapie

Bei schweren Fällen von Alopecia areata mit einer großen Ausdehnung der kahlen Flächen wird sein mehreren Jahren ein Verfahren angewendet, bei dem mit Hilfe eines Kontaktallergens (v.a. Diphenylcyclopropenon, DCP) ein Ekzem auf der Kopfhaut erzeugt wird. Die Entzündung, die für den Ausfall der Haare verantwortlich ist, soll damit sozusagen verdrängt werden, so dass neues Haarwachstum möglich wird.

Die Behandlung mit DCP ist jedoch sehr aufwändig und mit Nebenwirkungen verbunden, die über die erwünschte Rötung und das Jucken der Kopfhaut hinausgehen. Wenn die Behandlung zum Wiederwachstum der Haare führt, muss sie i.d.R. dennoch fortgesetzt werden, da es sonst wieder zum Ausfall kommen kann. Die Therapie sollte nur in Hautkliniken durchgeführt werden, in denen es ausreichende Erfahrungen mit DCP gibt. Die Substanz ist bislang nicht als Medikament zugelassen; viele Fragen, z.B. was Spätfolgen der Behandlung betrifft, sind noch offen.

 

Thymu-Skin (R)

Dieses Präparat, das in Form von Haarshampoo, Haarkur und Kapseln zum Einnehmen erhältlich ist, setzt ebenfalls auf die Stärkung des Immunsystems. Die darin enthaltenen Thymuspeptide sollen selbst bei länger bestehender Kahlheit ein erneutes Haarwachstum anregen können. Systematische Studien zur Wirksamkeit des Präparats gibt es noch nicht; Nebenwirkungen wurden bislang jedoch auch nicht beobachtet.

Die Anwendung von Thymu-Skin ist relativ langwierig und außerdem teuer, da die Krankenkassen die Kosten dafür nicht übernehmen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass Inhaltsstoffe des Präparats aus den Thymusdrüsen von Kälbern gewonnen wird und das BSE-Risiko dabei natürlich ungeklärt ist. Das gilt allerdings auch für möglicherweise aus Rindern gewonnene Bestandteile aller anderen hier aufgeführten Medikamente.

 

Bei der Entscheidung für eine Therapie müssen jeweils Schwere und Ausmaß des Haarausfalls und die Beeinträchtigung, die der/die Betroffene dadurch erfährt einerseits und die Nebenwirkungen und andere mit der Therapie verbundenen Belastungen sorgfältig abgewogen werden. Weder ÄrztInnen noch PatientInnen sollten vergessen, dass der Haarausfall in gewisser Weise nur ein “kosmetisches” Problem ist. Ohne die psychischen und sozialen Folgen des Haarausfalls verharmlosen zu wollen, muss doch festgehalten werden, dass der Haarausfall keine Krankheit ist, die beispielsweise Schmerzen verursacht oder andere Funktionen des Organismus einschränkt. Eine Frage, die es sich in diesem Zusammenhang zu stellen lohnt, ist deshalb, ob eine Behandlungsmethode nicht dazu führt, dass der Haarausfall doch stärker als eine Krankheit im klassischen Sinn empfunden wird - vielleicht deshalb, weil die Therapie mit häufigen Arztbesuchen, häufiger Medikamentenanwendung oder vielleicht sogar Schmerzen irgendeiner Art verbunden ist. Vereinfacht formuliert würde die Frage also lauten: Ab wann würde ich mich durch die Therapie wirklich krank fühlen und nicht “nur” mit einem Schönheitsfehler behaftet? Ist es mir das wert?

(zu verschiedenen Therapien vgl. die Broschüren der AAD-Inforeihe)

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